Teil eines Werkes 
2 (1818)
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— 94— 3 trunken, zur Ruhe. Die Witwe, die im Hofe be⸗ ſchäftigt war, eilte in das Stübchen, um zu ſehen, ob ihr Gaſt noch etwas benöthigt ſey, damit ſie es ihm reichen könne. Aber ſie fand ihn ſchon ſchlafend. Als ſie ihn ſo mit ihrem Lämpchen beleuchtete,

ſah ſie, worauf ſie bisher nicht ſehr geachtet hate, daß ſein Kleid zerriſſen wat; und durch die Riſſe bemerkte ſie, daß er nicht einmal ein Hemd an hatte. Sie ſeufzte über dieſe groſſe Armuth, und ungeſäumt eilte ſie zu ihrer Kiſte, ſchloß ſolche auf und nahm eine Rolle von ihrem groben ſelbſt geſponnenen Leinwand und ſchnitt ſo viel davon ab, als zu einem Hemde nöthig war Nun begab ſie ſich ſogleich an die Arbeit, und mit angeſtrengtem Fieiße arbeitete ſie die Nacht durch an dem neuen Hemde. Als mit Tages Aubruch der Fremde erwachte, hatte ſie die Freude, es ihm fertig zu überrelchen. Mit Dank empfing er die ſo benöthigte Gabe, und nachdem ſie ihn nochmals mit Speis und Trank gefättigt hatte, ſchied er von dannen.„Gott lohne dir,“ ſprach er beim Scheiden,„Gott lohne dir, was du an mir thateſt. Wenn ich geſchieden bin, dann müſſe dein erſtes Beginnen nicht aufhoͤren, bis die Sonne untergeht.“ Nur mit halben Ohren hörte die gute Alte die letzten Worte. Sie ging zurück in ihr Stübchen, und was ihr zuerſt auffiel, war die Rolle Leinen,

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