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Freikugeln : prosaische und poetische Schüsse in Erzählungen, Novellen und Gedichten / von Georg Döring
Entstehung
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Gemüther geſponnen, die ſie weit erhebt über Zeit und Gefahr. Da tritt plötzlich die hehre Scheibe des Mondes, ihnen gerade gegenüber, vor die weite Oeffnung der gewaltigen Felſenhalle. Guido erkennt zuerſt das Verderben, das zu den Fuͤßen der Sorg⸗ loſen ſeine Netze ausgeſpannt und lüſtern die Krallen ausgeſtreckt nach ihm und ſeinem Liebſten. Ein Schrei des Entſetzens entfährt ſeiner Lippe; er⸗ ſchrocken ſchaut Minona zu ihm empor.

„Blick um dich,“ ſo ſpricht er mit zitternder Stimme zu der Theuern,„bald werden dieſe Wogen größer und mächtiger zurückkehren, ſie werden uns hinabreißen in den Abgrund, dich von mir ſchleudern und neidiſch uns nicht einmal die Wonne des Todes in dem Vereine einer ſüßen Umarmung gönnen. Siehe! Immer höher draͤngt ſich die Fluth.“—

„Jammre nicht, mein Guido,“ entgegnet die muthige Jungfrau,„ich will dich ſo feſt umſchließen, daß keine Gewalt der Elemente mich im Tod von dir zu trennen vermag. Sey ſtark! Wir ſterben ver⸗ einigt!“

Aber in verzweiflungsvoller Angſt ſinnt Guido vergeblich auf eine Möglichkeit, die Geliebte zu er⸗ retten, der Sturm ſeiner Seele tobt gewaltiger,