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Freikugeln : prosaische und poetische Schüsse in Erzählungen, Novellen und Gedichten / von Georg Döring
Entstehung
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geſandt. Sie ſaß in einem Lehnſeſſel; ihre Kleidung war reinlich, das hinſinkende Haupt auf einige Kiſſen geſtützt. Zu ihren Füßen lag ihre Tochter, ein Mädchen von ſechszehn Jahren und ausgezeichneter Schönheit. In allen Mienen des anmüthigen Ge⸗ ſichts ſprach ſich die Furcht aus, die theure Mutter zu verlieren. Dem ſchönen Auge entrann, ohne daß dieſes es zu empfinden ſchien, eine große Thräne nach der andern; die Lippen bebten, aber kein Wort ging aus ihnen hervor. In einer Art von ſtummer Verzweiflung bildete das liebliche Weſen einen Blumen⸗ ſtrauß, mit deſſen Duft der hinſterbenden Mutter noch eine ſüße Empfindung zu bewirken.

Frau Cecil war im Reichthume geboren. Das Mißgeſchick hatte ſie aus der Bahn geriſſen, welche ihr Natur und Erziehung angewieſen. Seit mehreren Jahren hatte ſie mit dem lieben Kinde kümmerlich von einem kleinen Einkommen gelebt, das mit ihrem Tode auf einen andern Zweig der Familie überging. So wurden ihre letzten Augenblicke durch die Sorge um Marien ſchrecklich verbittert. Sie ſah ſchon im Geiſte die arme Tochter allen Fallſtricken und Ge⸗ fahren einer Welt hingegeben, welche ihr durchaus neu ſeyn mußte.