Teil eines Werkes 
4. Th. (1833)
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nur matt wiedergegeben; Edmund aber glaubte eine Flammenſchrift vor ſich zu haben.Als ich dich zum letztenmale ſah, lautete der Inhalt,wußte ich noch nicht, daß ich frühe ſterben würde. Ich geſtand dir meine Liebe, meine Hoffnung mit dir das Glück des Lebens zu finden. Waͤre mir be⸗ kannt geweſen, was ich bald darauf erfuhr, daß mein Leben nicht mehr mein Eigenthum, daß es einem höhern Gebote verfallen ſey, ſo wuͤrde ich dir meine Liebe verſchwiegen, ich würde dir kein Verſprechen gegeben haben, das mir nicht zu halten geſtattet war. Grolle mir alſo nicht, Edmund! Gott weiß, wie innig, wie treu ich dich liebe! Meine Hand erlahmt, meine Kräfte ſchwinden. Lebe wohl, Edmund! Willſt du alle Räthſel gelöst ha⸗ ben, beruhigt dich dieſe Löſung, ſo gehe zu dem Arzt in dem Städtchen am Rheine, er weiß Alles! Noch einmal, Edmund: lebe wohl bis zum Wie⸗ derſehn! die Liebe iſt ja nicht von dieſer Welt.

Nein! ſagte Edmund leiſe zu ſich, zerknitterte das Billet und drückte es auf ſeine Bruſt. Er war nun ſehr ruhig und ſchweigſam. Man ſah ihn wenig im Kreiſe der Verwandten und wenn er ſich unter dieſen befand, ſo fühlte er immer, in der nun völlig geiſtes⸗ und körpergeſunden Helene Nähe, eine unerklärliche Unbehaglichkeit,