— 254—
ſein Werk nicht vollſtändig vollbringen laſſen. Die Kälte und Tiefe der Fluth löſte mit einemmale den Starrkrampf. Von einer neuen, wunderbaren Kraft fühlte ſich Cäciliens Mutter belebt; nicht von der, die in dem gewöhnlichen Daſeyn ihren Geiſt und Körper beherrſchte, nein! von dieſer hö⸗ hern, Geiſt und Körper über die Grenzen des Ir⸗ diſchen erhebenden, die auch in dieſer Stunde in ihr waltet. Sie rief dem forteilenden Manne nach. Er hörte ſie nicht oder wollte ſie nicht hören. Da nahm ſie wahr, wie es ihr in dieſem wunderbaren Zuſtande möglich ſey, ſich auf der Oberfläche des Waſſers zu erhalten, wie ſie ſich eine Richtung zu geben vermochte, die ſie nach und nach dem Ufer zuführen mußte. Sie erſchrack vor ſich ſelbſt. Trotz ihrer Lage fiel ihr ein, daß man in frühern Jahr⸗ hunderten den Zauberinnen und Hexen die Macht zugeſchrieben habe, ſich von ſelbſt über dem Waſſer erhalten zu können. Der Mond, voll, rund und glänzend, ſchien auf die Wellen herab und zeigte ihr eine Stelle am Nande, die ſie mit leichter An⸗ ſtrengung erreichte. Hier ſank ſie erſchöpft zur Erde, jene Kraft, die ihr Leben und Erkenntniß gegeben hatte, entwich und ſie verlor alles Bewußtſeyn. Lange, lange lebte ſie nun in einem Zuſtande, aus dem ſie keine Erinnerungen hat. Als ſie einsmal


