Teil eines Werkes 
4. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

252

deck ſah die Schweſter mit Erſtaunen faſt im Glanze jener jugendlichen Schönheit wieder, die ſie beſeſſen, als ſie vor vielen Jahren ſich von ihr getrennt. Sie lagen ſich lange in den Armen. Dann begann Helene in jenem ſanften, wohllautenden Tone:

Dieſer Augenblick vergilt lange Jahre doll Elend und Qual. Was ich Entſetzliches gelitten, gleicht er aus mit ſeiner Freude, mit ſeiner bele⸗ benden Hoffnung. Ich weiß, daß Alles gut gehe und daß ich wieder auf dem ſchönen Schloſſe meines Ge⸗ mahls mit ihm und Gabrielen, glücklich leben werde, aber ich blicke in dieſe Ausſicht noch immer durch einen trüben, unerklärlichen Nebel. Willſt du wiſſen, wie es der armen Verlorenen gegangen iſt, ſeit ſie deinen Gatten begraben, Schweſter? Ich will es dir erzählen. Von den Feinden verfolgt, flüchtete ſie mit ihrem Kinde und ihrem Schmuck⸗ käſtchen in einen Kahn, der ſie am Ufer des Rheins aufnahm. Der Fährmann führte ſie den Strom aufwärts. Da kam eine ſchwere Ohnmacht, die Schrecken und Angſt veranlaßte über ſie. Als ſie erwachte, ſah ſie ſich mit dem Schiffer und der kleinen Eäcilia in einem düſtern Gemache. Sie lag auf einem herben Lager. Zum Tode ermattet und den letzten Augenblick erwartend, konnte ſie