Teil eines Werkes 
4. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

19

mir ein ſolches Römerſtückchen? Ihr ſeyd andre ge⸗ worden, Ihr führt ſelbſt Eure Töchter in die Höh⸗ len der Wölfe und Tieger, um ein großes Geſchenk oder ein einträgliches Amt zu erhalten die Hei⸗ ligen wenden ihr Angeſicht von ſolchem Gräul wehe, wehe über Roma!

Er hielt den weißen Stab und die rechte Hand vor ſich hingeſtreckt, indem er dieſe Worte mit Ze⸗ terſtimme ausrief. Eine große Bewegung erhob ſich unter der Verſammlung. Viele ſchrien, man ſolle den Notar herabholen und ihn züchtigen für ſeine Frechheit, andre waren ernſt geworden und ſprachen gegen jede Gewaltthat, ein großer Theil der Weiber weinte laut, ſchlug ſich wider die Bruſt, wie zur Buße, und bekreuzigte ſich unter Gebeten zu ihren Schutzheiligen. Die Mehrzahl aber brach wieder in ein ſtürmiſches Gelächter über die Poſ⸗ ſen des Narren aus, meinte, man dürfe dem Wahn⸗ witzigen nichts anrechnen, und trieb, als Rienzi jetzt von dem Balcon verſchwand, die übrigen fort⸗ drängend auseinander, ſo daß nun bald der Platz vor dem Hauſe des Barbiers Janno Noscio frei war und man nur noch den alten Mattheo erblickte, der bedächtig von dem Portale herabklimmte und mit ernſthafter, nachdenklicher Miene in das Innere der Wohnung trat, wo der junge Mann, deſſen

2*