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fertigte ſie mit einem kühnen, witzigen Ausſpruche ab, was erſt nach einer tiefen Unterſuchung hätte verurtheilt werden können, ſuchte ſie als unrichtig, als thöricht und lächerlich darzuſtellen. Dieſe Schwä⸗ chen wußte Riccardo wohl zu benutzen. Indem er es vermied, ſie anzublicken und ſich dem Ein⸗ drucke ihrer Schönheit bloszuſtellen, vertheidigte er ruhig und klar ſeine Sätze, er ſchonte die Gegne⸗ rin nicht und erwies deutlich, daß es mehr ihr Be⸗ mühen ſey, ihn perſoͤnlich zu verletzen, als den Ge⸗ genſtand, um den es ſich handele, in ſein richtiges Licht zu ſtellen. Vor dieſer Beſchuldigung, deſſen Wahrheit ſie erkannte, verſtummte Alleſſandra. Die Fakultät brach überdem in laute Lobeserhebun⸗ gen Riccardo's aus und während Battoni's Tochter ſich beſchämt und erbittert zurückzog, wurde der junge Römer unter den Glückwünſchungen al⸗ ler Anweſenden mit der höchſten academiſchen Würde bekleidet.—
Alleſſandra kam außer ſich nach Hauſe. Sie blieb mehrere Stunden in ihrem Gemache, ohne je⸗ mand ſehen zu wollen. Endlich vernahm ihr Va⸗ ter ein Geräuſch und ſah nun durch die Spalte ſeiner wenig geöffneten Thüre, daß Alleſſandra beſchäftigt war, mit großer Haſt alle Bücher, die
ſie in ihrem Zimmer gehabt, in die Bibliothek zu⸗


