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niedergebeugt und ließ ihre heißen Thränen auf ſie fallen. Ottokar war gleich bei ihrer Erſcheinung aufgeſtanden. Erſt hatte er erſtaunt und betroffen auf ſie niedergeſehn, dann ſinnend und zugleich auf⸗ merkſam. Jetzt fing er an zu lächeln, das erſte Lächeln ſeit ſeinem Eintritte in das Grabgewölbe der Sternbergl Seine Wangen fingen an ſich leiſe, dann immer lebendiger zu röthen„bis ſie die Farbe der Geſundheit, die früher auf ihnen prangte, wieder erlangt hatten. Dann richtete er ſich frei und ſtolz empor, ſein Blick gewann das alte Feuer wieder, mit einer Miene des Triumphes ſah er um ſich und auf Hedwig nieder.
„Sie knieet vor mir!“ ſagte er, wie mit ſich berathend, zu ſich ſelbſt.„Sie gibt mir die Ehre zurück— noch mehr! ſie betheuert, daß ich ſie nie verloren und ſie hält ſich nicht für zu hoch, zu rein, mir dieſe Verſicherung zu geben, indem ſie vor mir knieet? O nun iſt Alles gut„“ brach er im Tone des Entzückens aus,„nun darf das Wappen⸗ ſchild des Hauſes wieder ſeine alte Stelle einneh⸗ men, nun iſt der Letzte unſeres Geſchlechtes noch nicht begraben! Ein ſchwarzer Schleier, der auf meiner Seele lag, iſt verſchwunden und ich ſehe nun Alles wieder klar, wie es gekommen iſt, wi es kommen mußte. Sie haben dieſes Wunder ge⸗


