Teil eines Werkes 
2. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

229

Weinen. Ihr Herz klopfte angſtlich. Sie bog leiſe einen Zweig zurück, ſie ſah den Unglücklichen, wie ſie ihn ſich gedacht, am Rande eines Quellwaſſers ſitzen, das den Park durchſtrömte. Er blickte mit thränenden Augen in den Bach. Dann bedeckte er mit beiden Händen ſein Angeſicht und ſtöhnte laut: meine Ehre, meine Ehre! Auf Ewig befleckt, auf Ewig verloren!

Nein, nein! rief, von der Lebendigkeit ihrer Gefühle überwältigt, Hedwig und eilte aus ihrem Verſtecke hervor.Nur ein unglücklicher Wahn, nur der Leichtſinn eines thörigten Mädchens hat gegen Ihre Ehre gefrevelt ohne ſie beflecken zu können. Sie ſelbſt ſind unſchuldig, Sie ſelbſt ſtehen reiner da, als diejenige die Sie beleidigte. O, verzeihen Sie mir! fuhr ſie außer ſich fort, indem der Eindruck, den die abgehärmte Leidensgeſtalt des jungen Mannes auf ſie machte, immer tiefer auf ihre Seele wirkte und ſie, ohne ſich länger zurück⸗ halten zu können, vor ihm auf die Kniee fiel:ver⸗ zeihen Sie derjenigen, die das Schickſal ſchwer ge⸗ nug für einen Stolz geſtraft, der ſie irre leitete, verzeihen Sie einer Armen, die jetzt kein Glück auf Erden weiter ſucht, als Ihre Verzeihung!

Sie konnte nicht weiter ſprechen. Sie hatte ſeine beiden Hände ergriffen, ihr Angeſicht darauf

4*