Teil eines Werkes 
2. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

222

das eines herrlichen weiblichen Weſens, deſſen Be⸗ ſitz allein ihn hätte beglücken köͤnnen. Er dachte an ſie, wie an eine Verklärte, er dachte an ſie mit den Empfindungen einer unnennbaren Seelenpein, denn ſie hatte ſich ja verachtungsvoll von ihm ab⸗ gewandt, ſie hatte durch ihren Ausſpruch ſeine Selbſtachtung vernichtet. Er vermochte nicht mehr einzuſehn, daß er ſchuldlos, daß er nur mißbraucht worden ſey. Was Hedwigs Wort über ihn ver⸗ hängt, das hielt er allein für Wahrheit, der Ge⸗ danke, er habe ſich wirklich ſo weit vergeſſen, als Unterhändler des Verrathes zu dienen, hatte ſich unerſchütterlich in ſeiner Seele befeſtigt, er fühlte, daß dieſer ihn verderbe, aber er vermochte nicht, ihn zu bekämpfen.

So mit dem Drucke der Selbſtverachtung, mit dem Bewußtſeyn ſeines Unwerthes, mit der Empfin⸗ dung einer Liebe in ſeiner Bruſt, die keine Erwie⸗ derung hoffen durfte, betrat er das Haus ſeiner Eltern. Sie waren durch den Arzt auf die Ver⸗ änderung, die mit ihm vorgegangen, vorbereitet wor⸗ den, aber ihre Liebe hatte doch eine ſchwere Prü⸗ fung zu beſtehen, als ſie dieſen frühe hinwelkenden, frühe geknickten Zweig ihres Stammes erblickten, als ſie den einzigen Sohn in einem Zuſtande ſahen, der dem greiſen Vater die Meinung einflöſen mußte,