Teil eines Werkes 
2. Th. (1833)
Einzelbild herunterladen

210

ſeiner. Sie war eben im Begriff, die Stufen, welche zu dem heimlichen Gange führten, zu betreten, ſie ſchien ihn verlaſſen zu wollen, ohne ihn weiter eines Grußes, eines Wortes zu würdigen: da überwältigte ihn die Empfindung der unverdient erhaltenen Be⸗ leidigung, und er rief im Tone bitterer Kränkung:

Bei'm Himmel, mein Fräulein, ich weiß nicht, was Sie veranlaſſen kann, mir eine Geringſchätzung zu zeigen, die mich auf das Empfindlichſte ver⸗ wunden muß! Ich bin fremd in Ihrem Hauſe, ich trete als ein Gaſt in daſſelbe, und der Fremde, von dem Sie weder Gutes noch Böſes wiſſen, der Gaſt, der ſich vertrauungsvoll naht, muß hier die herbſte Erfahrung ſeines Lebens machen. Wahrlich, die Gefahr, in die Gewalt des Feindes zu gerathen, hat nicht das Schreckliche, Drückende für mich, wie dieſe Begegnung!

Hedwig hatte ſich in der Thüre, welche auf⸗ wärts führte, umgewandt. Die Worte des jungen Mannes änderten nichts in der Kälte, in der Strenge ihrer Geſichtszüge, in ihrer ſtolzen Hal⸗ tung. Sie blickte finſter auf ihn hinab, ſie ſtand da wie eine Gebieterin ſeines Geſchicks, von der er den Richtſpruch zu erwarten hatte. Nach einem kurzen ſpannenden Schweigen entgegnete ſie kalt und feſt: