Teil eines Werkes 
2. Th. (1833)
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det hatte. Bald aber bemerkte ich, daß ſie mich auszeichnete. Ihre Blicke ruhten oft mit einem be⸗ ſondern Ausdrucke auf mir, und wenn ſie mich ſo anſah, ſeufzte ſie tief und ſchwer auf aus bedräng⸗ ter Bruſt. Das ſchmeichelte meinem Stolze. Ich näherte mich ihr, ich fand bald, daß ſie durch Lie⸗ benswürdigkeit erſetze, was ihr an jener ſüdlichen Schönheit abgehe. Was kann ich noch mehr ſagen, als daß wir bald einverſtanden mit einander wur⸗ den, um ſo mehr, da ſie auf das Andringen ihres Bruders Unterricht auf der Harfe bei mir nahm, und ich nun täglich eine Stunde mit ihr allein zu⸗ brachte? Claudia liebte mich unbeſchreiblich. El⸗ tern, Bruder, Freundinnen, Alles, was ſonſt ihrem Herzen theuer geweſen war, wurde ihr gleichgültig über mich. Dieſe innige Neigung konnte ich nicht erkennen, ohne ſie ebenſo zu vergelten. Ich be⸗ ſchloß, bei ihren Eltern um ihre Hand zu werben. Meine Kunſt dünkte mich ein Goldquell, der nie verſtegen könne. Als ich deiner Mutter meinen Entſchluß offenbarte, bemühete ſie ſich vergebens, mich zu einem Aufſchube, zu einer vorläufigen Er⸗ örterung bei den Eltern durch den Bruder zu be⸗ wegen. Ich war zu ſtolz, ich war von meiner Künſtlerwürde zu ſehr eingenommen, um eine ab⸗ ſchlägige Antwort zu fürchten. Hatte man doch

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