Teil eines Werkes 
2. Th. (1833)
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Briefe, welche ich aus Venedig mit mir brachte, verſchafften mir Zutritt in die erſten Patricierhäu⸗ ſer. Der Stolz der Reichsſtädter beleidigte mich nicht; ich ſetzte ihm meinen Künſtlerſtolz entgegen. In Welſchland hatte ich mir eine ſchöne Summe Geldes geſpart. Dieſe verwandte ich dazu, immer in Kleidung und in allen ſonſtigen Außendingen des Lebens wie ein Cavalier, wie die angeſehenſten

Patricier der Stadt zu erſcheinen. Ich hielt mir

Lakaien, ich wohnte prächtig, und machte, ohne an die Zukunft zu denken, einen Aufwand, der in reichen Städten immer empfiehlt und mich bald mit den erſten Familien in nähere Verbindung brachte. So kam ich auch in das Haus von Clau⸗ dia's Eltern. Der Vater war Senator und ein ernſter, ſtolzer Mann, die Mutter eine eben ſo ſtolze Frau, aber dabei von einem lebhaften, hef⸗ tigen Charakter. Claudia war die einzige Toch⸗ ter, und außer ihr war nur noch ein Sohn da, ein junger Mann von glattem, einſchmeichleriſchem Betragen, der die Muſik ſehr liebte und mich in das Haus eingeführt hatte. Im Anfange achtete ich nicht ſehr auf deine Mutter. Sie war zart ge⸗ baut, bleich und ſchmachtend von Angeſicht, und entſprach nicht den Begriffen von Schönheit, die ich mir unter dem italieniſchen Frauenvolke gebil⸗