Druckschrift 
Des Pfarrers Tochter im Taubenhayn : Volkssage nach Bürgers Ballade dargestellt / von Ew. Dietrich
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24 Alle alten Tiſchfreunde hatten die Un⸗

gluͤcklichen verlaſſen, abgewieſen und verach⸗ tet, alle alten Freier flohen das verwaiſte Maͤdchen, und wollte Riekchen nicht hun⸗ gern, ſo mußte ſie nun arbeiten oder betteln. Ansserſte war ſie nie gewoͤhnt. Eben weint ſie im tiefen Schmerzgefuͤhl, da tritt Paſtor Ernſt unverhofft in ihr froſtiges Dachſtuͤb⸗ chen. Das ſchoͤne, reiche Maͤdchen hatte ihn nicht bezaubert, das arme, trauernde ruͤhrte ſein Herz, mit unverſtellter Freundlich⸗ keit gruͤßt ſie ihn als wahren Freund und reicht ihm, da der Freund zum Freier wird, ihre Hand.

Riekchen hatte kein boͤſes Herz, aber der

Stolz, die Eitelkeit war ihr, von der

Noth noch nicht gebeugt, geblieben, und ſo ſehr ſie ihren Gatten, den wahrhaft ſchoͤnen, ernſten Mann liebte, ſo wollte ihr das Le⸗ ben des Landpfarrers nicht behagen. Ihre

Mutter, die ſie zu ſich nahm, naͤhrte den