306 Zweiunddreißigſtes Kapitel.
aufrichtenden Grafen in den Kopf. Pierre hatte den Schützen geſehen, natürlich aber bei der Haſt, in der das alles folgte, nicht erkannt. Nur ſchien es ihm nicht glaub— lich, daß derſelbe nach dem Franzoſen und vorbei geſchoſ⸗ ſen. Die Stelle, wo der Verfolgte gefallen, war nicht in der Richtung der offenen Thür und des Bettes, das ſahen auch Hebe und Chriſtian.
War es dennoch nur ein unglücklicher Zufall, war es ein ungeſchickter Schütze, war es Privat⸗Rache geweſen? Graf Hartmuth hatte nirgends Liebe und Freunde gehabt, aber Feinde deſto mehr, und zwar gerade in Nieder⸗Rhoda die erbitterſten.
Es gab unter der höheren Dienerſchaft des Schloſſes, wie damals häufig in den Häuſern der reichen Familien, einen Menſchen, der chirurgiſche Kenntniſſe beſaß. Unter ſeinen Händen befand ſich nun der alte Herr; allein der Diener brauchte Hebe und Chriſtian nicht erſt von der Hoffnungsloſigkeit des Verwundeten zu ſagen, ſie ſahen ſelbſt ſogleich und gut genug, daß hier von einer Rettung kaum noch die Rede. Graf Hartmuth war ohne Beſin⸗ nung und gab nur ſchwache Zeichen des ſchwer ſcheidenden Lebens. Man ſchickte nach G., um wo möglich einen Arzt herüber zu bringen, auch um Vial's und der andern Verwundeten willen. Bei dem Vicomte verzweifelte der Chirurg gleichfalls an der Rettung. Der. Offizier lag mit zerſchmettertem Haupte ohne Beſinnung, wie der Schloß⸗ herr über ihm.
Gräfin Hebe ging in das Wohnzimmer zurück, wo ſie mit ihren Nichten zuſammentraf. Sie war ernſt und


