304 Zweiunddreißigſtes Kapitel.
aus, wie auf einer Metzgerbank, und drunten gibt es nichts, als Geſtöhn und Todesröcheln. Die Burſchen haben heidniſch gewirthſchaftet, nicht geſchlagen, wie es ſcheint, ſondern geſchlachtet. Ins Wohnzimmer könnt ihr, da geht's an. Unterwegs aber würd' es im Corridor blu⸗ tige Schuhe geben.“—
„Und Vial?“ fragte Hebe nach einer Pauſe düſter.
„Es ſieht kaum aus, als ob er überhaupt noch lebt,“ entgegnete Chriſtian den Kopf ſchüttelnd.—
„Cher Papa iſt hoffentlich unbeläſtigt geblieben?“ fragte ſie wieder.
„Doch nicht ganz, Couſine. Er iſt unter den Hän⸗ den unſeres Chirurgen,“ erwiderte er faſt finſter.„Ich gehe zu ihm.“— Und er wandte ſich ab.
„Warten Sie, warten Sie, Vetter!“ ſagte ſie entſchie— den und ſtand noch einmal ohne Hülfe von ihrem Sitze auf.„Ich gehe mit Ihnen,— denn ſo oder ſo, ich kenne meinen Platz. Ihr bleibt hier, Kinder,“ fuhr ſie gegen die beiden Nichten gewandt fort.„Die Noth und das Grauſen iſt nichts für euch; ſonnt ihr euch in der Frei⸗ heitsſonne! Ihr ſollt bald Nachricht haben, ob ihr drüben vonnöthen ſeid.— Fanny!“— Und von Chriſtian unterſtützt und von dem Mädchen gefolgt, verließ ſie das Zimmer. Ihre Bewegungen waren raſcher und kräftiger, als Chri⸗ ſtian oder Fanny ſie je an ihr bemerkt.
Es war ein ſeltſamer und trauriger, noch unaufge⸗ klärter Fall.
Graf Hartmuth war nach Pierre's Miettheilungen eben ſo wie die Uebrigen auf ſeine Zimmer beſchränkt


