Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

302 Zweiunddreißigſtes Kapitel.

den alten Vetter, auf die beiden jungen, an einander ſich lehnenden Nichten.

„Gottlob, Gottlob!“ ſagte ſie.„Nun laßt uns des Sieges froh werden. Gott iſt ſichtbar mit uns und wird es auch fürder ſein. Komme nun, was kommen mag! Sterben wir jetzt, ſo ſterben wir doch im Morgenrothe der Freiheit.“

Sie ſetzte ſich langſam zurück in ihren Seſſel und drückte einen Augenblick das Tuch vor die Augen. Als ſie es wieder ſinken ließ, waren die glänzenden Sterne feucht, aber ſie lächelten durch die Thränen. Und erſt nach einer kurzen Pauſe, die ſelbſt Vetter Chriſtian nicht zu ſtören wagte, ſagte ſie mit ernſterem Blicke:„Nun, Vetter, wie ſteht's im Schloſſe und drüben beim Vater?“

Vetter Chriſtian's Hals verſchwand einmal wieder zwi⸗ ſchen den Schultern.„Habe nicht die Ehre!“ verſetzte er. „Seit wir uns vorgeſtern in G. trennten, habe ich Seine Hochgeboren nicht wieder erblickt, denn als ich geſtern Mor⸗ gen anlangte, beſtimmte Monsieur le Vicomte auf das lie⸗ benswürdigſte, daß ich mich fortan in meinen Appartements ausruhen möchte. Vorgeſtern waren Seine Hochgeboren in einer ſehr gemiſchten Stimmung,— gereizt, aufbegeh⸗ rend, zu allerlei Seitenſprüngen aufgelegt, endlich auf meine gehorſamſte Ermahnung zuſammenſchnappend wie ein altes Taſchenmeſſer, ja, mit Permiſſion, etwas unzu⸗ rechnungsfähig. Ihr müßt den Alten teufelmäßig ange⸗ faßt haben, Couſine,“ brach er plötzlich ab. Die Locken ſeiner Perücke verriethen ein ſtärkeres Kopfſchütteln, als ſich an dem kleinen unter ihnen ſteckenden Haupte ſelber zeigte.