Im freien Lande. 301
entſetzte Fanny unverſchämter Weiſe mit ſeinem langen Arme um die Taille und ſchwenkte ſie herum, daß ihre Löckchen flogen, und ſchrie dabei in Einem fort:„Frei, frei! Ah, Monsieur le Vicomte! Wir ſind quitt! Gefan⸗ gen, gefangen!“
Gräfin Hebe war ſchon auf die erſte Nachricht des hereinſtürzenden Dieners von ihrem Sitze aufgefahren und, ihrer Schwachheit vergeſſend, ſeitdem am Tiſche ſtehen ge⸗ blieben. Jetzt ſah ſie lächelnd den vom Vetter erregten Wirbel einen Augenblick an und dann klang ihre helle, reine Stimme:„Nun ein vernünftiges Wort, Vetter! Was erreichtet ihr von Renaud?“
Vetter Chriſtian ſtand mit einer jähen Schwenkung vor ihr, verbeugte ſich auf das allerſchönſte und verſetzte mit tragiſchem Tone:„Für Vetter Eugen Aufſchub, für Hoven einen Abſchlag. Dieſer liebe General war blutdür⸗ ſtig, ſo angenehm blutdürſtig! Schade, daß man ihm einen Strich durch die Rechnung machte! Freund Leo, beiläufig eine Art Hexenmeiſter, wie es ſcheint, zauberte Hoven und zur Vorſicht gleich auch Eugen aus ihrem Hundeloche—“
„Alſo frei?“ fragte Hebe mit feſtem Blicke dazwiſchen.
„Frei, Couſine, haben die Ehre! Werden jetzt drüben in der Heide vermuthlich auch ſchon ihre Arbeit beginnen. Das Land iſt im allercharmanteſten Aufſtande von der Welt. Sie wollten geſtern Morgen kaum mich durchlaſſen, dieſe lieben harthörigen Burſchen!“
Comteſſe Hebe bot ihm die Hand. Sie ſtand noch immer, und ein ſtrahlendes Lächeln überflog ihr ſich leiſe wieder röthendes Geſicht, ihre Augen blickten heiter auf
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