300 Zweiunddreißigſtes Kapitel.
Zofen ſtill bei einander ſaßen. Bald darauf ſchlich er wieder herein und beugte den Kopf zu ihr und flüſterte: „Gnädige Gräfin, ich konnt's nicht laſſen! Sie wiſſen's jetzt draußen, daß hier unter uns gegen den Strand zu ein Laden und ein Fenſter offen. Wenn ſie klug ſind und die paar Poſten von dieſer Seite weglocken, haben ſie das Schloß. Wenn die gnädigen Herrſchaften ſich hier oben ſtill halten, hat's keine Gefahr. Es ſind Nieder⸗ Rhodaer dabei, die wiſſen's, wer in dieſem Flügel wohnt.
Gegen fünf Uhr knallten plötzlich um das Schloß her wieder Schüſſe, denen von den Franzoſen kräftig und raſch geantwortet wurde. Dann ward es mit einem Male unter den Fenſtern der Damen laut— ſie waren, um in den Park zu ſehen, wieder nach vorn gegangen— ein Kampf hatte ſich dort, wie es ſchien, in nächſter Nähe und Mann gegen Mann entſponnen. Und wieder nach einer kurzen Weile tönte aus dem Hauſe ſelbſt der Lärm, ein aus Wuth und Angſt, Jauchzen und grimmiger Luſt gemiſchtes Geſchrei in die oberen Räume empor. Vor der Thür des Vorzimmers fiel ein Schuß, erhob ſich das wü⸗ thende Brüllen der Heranſtürzenden, klang der dumpfe Todesſchrei des erſchlagenen Wachtpoſtens. Und gleich da⸗ rauf ſprang über die Hintertreppe einer von den befreiten Dienern herein mit dem jubelnden Rufe:„das Schloß iſt frei! Die Wälſchen ſind todt!“
Einige Augenblicke ſpäter ſchoß ſchon Vetter Chriſtian herein, küßte Hebe graziös die Hand, ſchüttelte ohne alles Ceremoniel und mit lebhaft glänzenden, kreuzfidelen Au⸗ gen die Hände der beiden jungen Damen, faßte ſogar die


