Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
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38 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

„Er ſpricht in meiner Stube noch mit dem Karl und dem Hausmeiſter, die ich ihm holen mußte. Inzwiſchen ſollte ich ihn bei Ihnen melden.“

„Und es hat ihn niemand geſehen?“ fragte Hebe ſehr nachdenklich.

„Das weiß ich nicht, gnädige Gräfin. Er war mit einem Male— da iſt der Herr Graf,“ brach ſie ab, da in dieſem Augenblicke Eberhard in der Thür erſchien.—

„Guten Abend, Hebe,“ ſagte er in ſeiner gewohnten ruhig milden Weiſe und trat heran und bot ihr die Hand, während er ſich zugleich zu ihr niederbeugte und ihre Stirn küßte, die ſich bei ſeinem Anblick erheitert hatte.—„Laß uns durch niemand ſtören, Fanny, ſelbſt durch die jungen Damen nicht,“ redete er weiter.„Meine Anweſenheit iſt gar kein Geheimniß, ich bin mit Detlef offen auf den Hof geritten und will ſpäter auch eine Viertelſtunde beim Vater vorſprechen. Sage, wenn nach uns gefragt wird, die Wahrheit, daß ich mit meiner Schweſter zu plaudern hätte.“— Und da die Jungfer das Gemach verlaſſen, ließ er ſich neben Hebe in die Sophaecke gleiten, nahm wieder ihre Hand und fügte mit einem faſt innigen Blicke hinzu:„Ich mußte dich doch einmal wieder ſehen, Schweſter⸗ herz!“

Sie ſah ihn mit einem Blicke an, der halb innig war und halb wehmuthsvoll, ihre Augen waren dabei ſchöner als je. Und auch in ihrer Stimme war etwas wie ein Beben, als ſie jetzt erwiderte:„Ja, Alter, du haſt mich ganz vergeſſen, und ich ſitze hier wie die verwünſchte Prin⸗ zeſſin in ihrem Thurm. Ich höre nichts und ſehe nichts