36 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
oder doch erträglichen Einvernehmens angeſchlagen, und von den auffälligen Neuerungen, die ſie bei ihrer Rück⸗ kehr von Dreiheiligen erfahren, war nichts mehr laut und ſichtbar geworden. Zufrieden war der alte Herr keines⸗ wegs— gingen ſeine Pläne überhaupt nicht oder nur nicht ſchnell genug vorwärts? Hebe wußte das nicht, ſie ſah und hörte nichts mehr von dieſen Plänen.
Am Abend des Tages, an welchem ſie die letzte der oben erwähnten Mittheilungen Waldkirch's empfangen hatte, ſaß ſie in Erwartung der Theeſtunde einſam in ihrem Zimmer und überließ ſich einem bei ihr wenig ge⸗ wöhnlichen Nachdenken. Sie war nun ſchon über acht Tage wieder daheim, und eben ſo lange währte die An⸗ weſenheit Renaud's. Alles, was wir geſchildert, war in vollem Gange. Die Kanzleien waren in Thätigkeit, Ar⸗ beiten und Verordnungen drängten ſich, Couriere und Ordonnanzen gingen und kamen. Heute Morgen war der unglückliche Schmuggler erſchoſſen und der Präfect wieder abgereiſ't.—
Von den Feinden erfuhr ſie mehr als ihr lieb; von denen, die ihr zumeiſt am Herzen lagen, gar nichts. Von Eberhard war ihr, um das zu wiederholen, keinerlei Nach⸗ richt zugekommen. Sie hatte nichts von ihm erhalten
als eine Art Empfangs⸗Beſcheinigung über eine ihm zuge⸗
ſandte Botſchaft. Es war eine Viſitenkarte mit ſeinem darauf geſchriebenen Namen. Dies alles war ihr je länger deſto unerträglicher. Sie kam ſich faſt wie jemand vor, der auf einer einſamen Inſel von aller Welt abge⸗ ſchloſſen iſt, und die verehrten Leſer mögen uns glauben,
———
.


