Harren und Sorgen. 29 das fand ſie aber nirgends, als bei dem einen Manne. Denn einer wie großen inneren und geiſtigen Erhebung ihr Bruder Eberhard auch fähig war,— ſeine körperliche Kraft reichte nicht aus, und wenn ſie ihm auch die Ener⸗ gie der augenblicklichen That zutraute, ſie glaubte bei ihm nicht an das, was einem Manne in ſolcher Lage, Stel⸗ lung und Zeit das Allernothwendigſte iſt,— an das zähe, unverzagte, nachhaltige Feſthalten und Weitertreiben des Begonnenen. Und eines ſolchen Mannes bedurfte man, ſollte die vielleicht bald und überraſchend klingende Stunde der Entſcheidung nicht zugleich auch unbenutzt und unwiederbringlich verklingen.
Und ſie wußte von Hoven nichts— nicht ob er ver⸗ borgen irgendwo im Lande weilte, nicht ob er ganz abge⸗ reiſ't war, nicht ob es ihm möglich ſein würde, rechtzeitig wieder zu erſcheinen. Sie ſchalt jetzt faſt die Haſt und Beſtimmtheit Eberhard's, als er auch Hoven entfernte. Es war bisher wenigſtens nicht die leiſeſte Andeutung mehr laut geworden, daß man„Herrn von Seelhorſt“ wirklich beargwöhnte, daß die Erkundigungen der beiden Gensd'armen mehr geweſen ſeien, als eine der beliebten Polizei⸗Scherereien, hervorgerufen durch irgend eine Be⸗ merkung des Dieners, auf die man etwa nur deßwegen Werth gelegt hatte, um ſich nicht ſelbſt nachläſſig ſchelten zu müſſen. Hatte man aber über den Fremdling Erkun⸗ digungen aus der angegebenen Heimat desſelben einge⸗ zogen, ſo konnte man nur Befriedigendes erfahren haben, denn der Name wurde nicht angenommen ohne Verſtän⸗


