Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
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28 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

was etwa auch General Renaud ahnte oder gar wußte, was ihn jetzt das Mißlingen ſeiner beabſichtigten Ueber⸗ raſchung ſo verdrießlich empfinden und ertragen ließ? Oder verſtimmte ihn dieſes Mißlingen als eine Art Schlappe, die er dabei erlitten, nur deßhalb, weil er dadurch dem ihm unbehaglichen Aberglauben des Volkes kein Ende ge⸗ macht, ſondern demſelben vielmehr neuen Grund und Halt gegeben hatte?

Hebe ſtand allein, wiederholen wir, wie ſie es ſich ſelbſt ſtets von neuem und mit einer bitteren Empfindung wiederholte. Sie erfuhr von ihrem Bruder nichts, ſie er— fuhr von Eugen nichts, während ſie doch hören mußte, daß die Fremden in Rhodenfelde weiter und weiter gingen und ſogar Luſt zu haben ſchienen zu großen Holzverkäufen zu ſchreiten, als habe man die Beſitzungen ihres Neffen wirklich bereits eingezogen, obgleich wieder noch keine da⸗ hin lautende Bekanntmachung der Behörden erfolgt war. Sie erfuhr endlich von Hoven nichts, in welchem ſie die Seele nicht nur, ſondern auch den einzigen wirklichen, Vertrauen erweckenden Halt der heimlichen, gut gemein⸗ ten, aber zerſplitterten Beſtrebungen der Ihrigen ſah.

Wir brauchen wohl nicht erſt ausdrücklich zu ſagen, daß Gräfin Hebe über Zuſtände, Verhältniſſe und Per⸗ ſönlichkeiten in ihrem Vaterlande am allerwenigſten im Zweifel war. Der gute Wille war überall da; Talent und Fähigkeit zum Organiſiren des vorhandenen rohen Stoffes, zu ſeiner richtigen und rechtzeitigen Verwendung, zum Durchgreifen und Vorwärtstreiben, vereint mit der nothwendigen, von allen Seiten anerkannten Autorität,—

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