Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
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Harren und Sorgen. 27

die Familien⸗, noch über die öffentlichen Zuſtände. Und von ihrem Bruder erfuhr ſie ſeither nichts und wußte nichts von ihm.

Die Nachrichten, die ihr Vetter Chriſtian aus Wald⸗ kirch's Munde gebracht, hatten ſie, ſo unbedeutend ſie an und für ſich erſchienen, zum ernſtlichſten Nachdenken ge— bracht; die Andeutungen, die der General ein paarmal wie zufällig gemacht und doch ſo überaus betont hatte,— daß in vier Wochen die Franzoſen feſter ſtehen würden als je, und daß er bei ſeinem früheren Calcul der Unent⸗ ſchloſſenheit und Langſamkeit der Deutſchen vergeſſen habe, peinigten ſie in ihrer augenblicklichen Iſolirtheit. War dem jungen Hauptmanne zu trauen— ſie kannte wohl jene Unterhaltung mit Eugen beim Zurückreiten aus der Heide— war Renaud wirklich voll Argwohn gegen ihn und brachte dennoch gerade ihn nach Nieder⸗Rhoda mit, wo er denen, welche der General neuerdings immer ent— ſchiedener für Feinde zu halten ſchien, näher war, als überall anderwärts, und von einem Verkehre mit ihnen gar nicht zurückgehalten werden konnte? Waren die Worte Renaud's ſelber nur Drohungen und Schreckmittel, Masken der Schwäche, oder enthielten ſie Wahrheit und bereitete ſich im Lager der Fremden und im Berliner Ca⸗ binet etwas vor, von dem man im Lande noch nichts ahnte?

Was war endlich an und hinter dieſem Drohiner Zuge? Eberhard war, wie wir wiſſen, über manche Punkte ſelbſt gegen die ihm Naheſtehenden der verſchloſſenſte Menſch der Welt. Steckte etwas Beſonderes dahinter,