Teil eines Werkes 
3. Bd. (1863)
Entstehung
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Der Zug von Drohin. 13

widerte der zweite Douanier nach einem langen Hinblick: Ja, ich glaub' es auch. Die Richtung iſt's, und die Glut iſt groß. Wir müſſen gleich Flammen ſehen!

Allein die Flammen ſchlugen nicht empor; bei länge⸗ rem Hinſehen war es, als ob ſich die Röthe drunten vom Horizont in einem flachen, mißfarbigen Bogen abhöbe, über dem ſie, immer intenſiver werdend, in einer mehr roſigen als feurigen Glut ſtets weiter über den Himmel ſich aus⸗ breitete. Die hervorzuckenden Strahlen wurden heller und blitzender, droben im Zenith vereinten ſie ſich jedoch zu einem prachtvollen, kronenartigen Gebilde, das ſie nun zu ſtützen ſchienen, und man konnte freilich nicht mehr in Zweifel über das ſein, was man vor ſich habe, beſonders die Beamten nicht mehr, welche durch ihren Dienſt ge⸗ zwungen waren, die meiſten Nächte im Freien zuzubringen.

Ein Nordlicht, ſagte nach kurzem Schweigen der deutſche Douanier.Ich habe wirklich an einen Brand ge⸗ dacht, denn in dieſer Glut habe ich das noch nie geſehen. Es iſt prachtvoll!

Und prachtvoll war es in der That, ſo daß ſelbſt dieſe nichts weniger als leicht erregbaren Menſchen ſchwei⸗

gend und bewundernd gegen Norden ſchauten und die Blicke nicht abwenden mochten von der zauberhaften Er⸗ ſcheinung. Der ganze Himmel war hier weit hinauf in eine Flut von roſigem Lichte getaucht, aus dem dann jene blitzenden Strahlen funkelnd und glänzend weiter ſchoſſen, bald röthlich, bald grünlich, bis ſie ſich in der Corona wieder vereinigten. Und die Sterne glänzten durch dieſen

roſigen Schimmer mit wunderbarem, fremdartigem Glanze,