302 Zwanzigſtes Kapitel.
Ganzen doch gleichmäßigen Manne überraſchte. Es war nicht allein die„Herzlichkeit,“ deren ſie gegen Stephanie gedachte, die ſie gewiſſermaßen beunruhigte, es war da— neben auch an ihm eine eigenthümliche ſpöttiſche Ruhe und Sicherheit zu beobachten, und dann wieder eine ge— wiſſe, kurz abbrechende und abſprechende, faſt barſche Ent⸗ ſchiedenheit, die ihr an dem Vater noch viel mehr auffiel, der ſonſt zwar gleichfalls leicht und gern den ſouverainen Herrn heraus zu kehren liebte, im Ganzen aber und beſonders der Tochter gegenüber doch immerhin vorſichtig, und jeden Augenblick zu einem anſcheinenden Einlenken bereit, vor⸗ zugehen pflegte.
Vetter Chriſtian hatte neulich ſchon in Dreiheiligen darauf hingedeutet, ohne daß Hebe damals viel darauf gegeben. Sie hielt es noch für Nachwirkungen jener Laune, in welcher ihr von dem alten Herrn, in der Stunde vor ihrer Abreiſe, die Eröffnungen über die Reſultate ſeiner Reiſe gemacht wurden. Sie fand es nun aber doch bei Weitem anders. Sie erfuhr, daß er ſogar, was er ihres Wiſſens bisher niemals gethan, über Gang und Stand ſeines Hausweſens Erkundigungen eingezogen und Befehle gegeben habe, wie Dies oder Jenes anders zu ordnen und wie man beſonders die Dienerſchaft unter ſtrengerer Controle zu halten habe, daß ſich fortan nie— mand anders als mit Erlaubniß des Hausmeiſters aus dem Schloſſe entferne oder augenblickliche Entlaſſung ge⸗ wärtigen müſſe. Es war dabei ausdrücklich von der Kam⸗ merjungfer ſeiner Tochter und von dem Neffen des rauhen verſchwundenen Schiffers die Rede geweſen, und der alte


