300 Zwanzigſtes Kapitel.
gültig gegen die Feſſeln bleiben darf, die ſie ſeinem Vater⸗ lande aufgelegt haben.“
Gräfin Hebe ſah die Sprecherin eine Weile mit einem durchdringenden Blicke an, bevor ſie, nicht laut, fragte: „Und die Frauen, Stephanie?“
Die Nichte ſchüttelte leiſe den Kopf.„Was können wir Frauen thun— wirklich thun, Tante?“
Und da ging durch Hebe's ſchönes Geſicht ein wun— derbares, ſtolzes und frohes Lächeln, und ſie ſagte:„Wir können unſere Männer ehren und ſie ſtärken durch unſere Achtung, unſere Theilnahme, durch unſere Verachtung der Schlechten und Feigen in dem bevorſtehenden Kampfe. Wir können ihnen unſere Befreiung von all der Schmach lohnen mit unſerer Liebe. Das, Stephanie, iſt auch etwas, denke ich, und das bleibt jeder Frau!“ Und dem ſie wie träumend anſchauenden Mädchen die Hand hinbie⸗ tend, redete ſie weiter:„Gib mir deine Hand! Ich glaube, wir werden uns immer beſſer treffen, liebes Kind. Das war eine inhaltsreiche Stunde! Ich bitte dich nur noch um Eines— käme man auf dieſen Heiraths⸗Vor⸗ ſchlag zu ſprechen, ſo drücke deine Abneigung nicht gar zu entſchieden aus. Heucheln müſſen wir zu Zeiten alle! Und nun klingle nach Fanny. Wir müſſen hinüber— die Herren erwarten uns am Ende ſchon, und—„ſie lä⸗ chelte ſpöttiſch—„ich möchte ihnen doch ſo gern den An⸗ blick meiner ſchönen Augen gönnen!“——
Man fand es in der That, wie Hebe erwartet hatte, und trennte ſich fortan für den Reſt des Tages nur noch auf kurze Zeit, um nach erneuertem Zuſammentreffen deſto


