Teil eines Werkes 
2. Bd. (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

290 Zwanzigſtes Kapitel.

worden.„Woher ſchließt du das, Kleine?“ fragte ſie endlich ſogar freundlich und mit einem leichten Lächeln.

„Der Vicomte hat ein paarmal auf ſo etwas hinge— deutet, Tante.“

„Herr von Vial? Gegen dich? Das iſt ſeltſam! Hat er denn Dergleichen öfters mit dir geredet?“

„Nicht eigentlich; nur angedeutet, ſage ich; er ließ es fallen, und ſo war es auch auf dem Balle—“

„Auf dem Balle?“ fiel Hebe jetzt mit unverhehltem Erſtaunen ein.„Wie kam denn das?“

„Beiläufig, Tante. Er war bei unſerem erſten Tanze zerſtreut und ſuchte mit den Augen im Saale umher. Und da ich ihn nach dem Grunde fragte, meinte er, er wundere ſich nur, daß Graf Eberhard noch fehle.—„Intereſſirt der Sie plötzlich ſo ſehr?“ fragte ich von neuem.—„Ja, gewiſſermaßen,“ ſagte er.„Ich habe die Vermuthung, daß manche unſerer Gäſte ſich auf dieſem Feſte noch um etwas Anderes bekümmern wollen, als um den Tanz und das Vergnügen.“—„Und das wäre? Und Graf Eber⸗ hard, bekümmert ſich der überhaupt um etwas?“ fragte ich ſo hin, denn das alles intereſſirte mich kaum.—„Laſſen wir das gehen,“ meinte er.„Es iſt nichts für uns. Ihr Onkel iſt übrigens ein feiner und kluger Kopf, das glau⸗ ben Sie nur. Und wenn er nicht käme, würde ich nicht mehr argwöhnen, ſondern glauben; man iſt zuweilen zu ſchlau.“—

Comteſſe Hebe ſchüttelte verwundert den Kopf.„Das iſt ſehr ſeltſam!“ ſagte ſie.„Was er nur gemeint haben mag? Vermuthlich iſt es ſchließlich nichts geweſen, als einer

————