Teil eines Werkes 
2. Bd. (1863)
Entstehung
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282 Zwanzigſtes Kapitel.

und meines Hauſes, über welche eben keine von uns Herrin iſt. Jetzt kümmere dich um nichts, ſondern ſprich dich aus, wie du es für nöthig hältſt. Eins will ich dir von mir ſagen— halte mich für was, und taxire mich, wie du willſt— ein mir entgegen getragenes Leid hab' ich noch nie zurückgewieſen, eine fremde Noth, wenn ſie wirklich und wahrhaftig, noch immer verſtanden und noch immer Hülfe zu bringen verſucht, wo man nach derſelben verlangte.— Nun ſprich weiter, vor mir brauchſt du dich nicht zu geniren oder einer momentanen Schwäche zu ſchämen. Ich weiß es von mir ſelbſt, daß man nicht immer ſtark bleibt.“

Das jetzt wieder bleiche Geſicht erhob ſich zu ihr, die ſtillen, blauen Augen ſahen ſie eine Weile gedankenvoll und ernſt an, und erſt nach einem langen Schweigen fing das Mädchen wieder an.

„Ich mußte ſagen, was ich geſagt habe,“ ſprach ſie. „Es iſt keine Anklage darin und keine feige Entſchuldi⸗ gung, aber eine Erklärung, die ich mir ſelber und meinem Selbſtgefühl, meinem Stolze ſchuldig war und bin.— Ich habe aber über dieſe Zuſtände nichts mehr hinzuzufügen. Sie werden ſich etwa denken können, wie das alles weiter gegangen iſt, Sie können das vielleicht beſſer als ich ſelbſt, die ich in jenen Wochen faſt immer in Aufregung oder faſt in Betäubung, voll Verdruß, Gereiztheit, Erbitterung war und, wenn ich mich einmal frei fühlte, zuweilen ſelbſt mich am allerwenigſten begriff. Ich kann nur Zweierlei ſagen— wie ich auch ſein, fühlen und denken mochte, eine eigentliche Annäherung habe ich ihm nie geſtattet,