Teil eines Werkes 
2. Bd. (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

280 Zwanzigſtes Kapitel.

Bekenntniſſe dieſer Stunde zu erkennen. Denn das junge Mädchen ſah leidend aus, die ſtolze Kälte und Sicherheit des ganzen Geſichtsausdrucks hatte einem Zuge von Nie⸗ dergeſchlagenheit und Kummer Platz gemacht; auch ihre Augen lagen krankhaft tief, und es war faſt, als ſei ſelbſt das glänzende Blau dieſer Sterne bleicher und matter ge⸗ worden.

Gräfin Hebe hatte das alles ſchon am Morgen beim erſten Blicke und im Laufe des Tages wahrgenommen und ſich, zumal wenn ſie an die Bemerkungen Steffen's dachte, auf das peinlichſte dadurch berührt gefühlt. Und doch konnte ſie, wenn ſie ſich an jenes Billet erinnerte, wenn ſie Weſen und Auftreten der Nichte beobachtete und die Veränderung überlegte, die mit dem Mädchen vorge⸗ gangen war, nicht daran glauben, daß ſie eine Sünderin und Büßerin vor ſich habe, die, in ihrem Innerſten zer⸗ brochen, nur noch danach verlangte, ihren Fehltritt durch ernſtliche und ſchmerzliche Buße, ihren verderblichen Stolz durch eine eben ſo extreme Demuth gut zu machen. Hier hatte ſie etwas Anderes vor ſich, es war eine Zerdrückte und in ſich Gegangene, aber keine Zerbrochene, und ge⸗ rade wie Stephanie ſich Sophie Magdalenen zugewandt und auf das herzlichſte mit ihr verkehrt hatte, beruhigte die Tante vollends. Eugen hatte ſich getäuſcht, und der Schäfer in der ſtarren Strenge, mit der ſolche Leute ge⸗ rade faſt immer auf ähnliche Fehltritte hinabſehen, weit über die Wahrheit hinausgegriffen.—

Welche Schuld ſie ſich ſelber beizumeſſen gehabt haben würde, wenn die Nichte unglücklich geworden wäre, das

emg von den dem pei wej