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308 Zehntes Kapitel.
„Ja, glauben Sie's nur, Vicomte,“ fuhr ſie in glei⸗ chem Tone fort,„es iſt ein Schmerz, wenn man ſich ſo gefeſſelt ſieht, wie ich— ein Schmerz, der ſo lange er uns vertraut iſt, doch nie überwunden wird, und niemals ſchärfer hervortritt als dann, wenn man einmal glücklich ſein möchte mit den Glücklichen.— Ah, Vicomte, ich fühle mich noch zuweilen kindiſch jung! Ich konnte meine Ju⸗ gend nicht verwerthen wie ihr Anderen. Das Capital iſt noch da und ſogar geſammelte Zinſen!— Ich möchte— ja, was möchte ich alles! Es muß entzückend ſein, ſo hin— zufliegen mit jemand, der uns theuer iſt, zu lauſchen auf ihn und zu flüſtern zu ihm!— Einſam in der Menge, ungeſtört im Wirbel!— Jetzt—“ und ſie ſchüttelte leicht den Kopf—„jetzt werde ich ſitzen und mit den Müttern der Nachbarſchaft kluge Reden führen, mich über Toilet⸗ ten moquiren und Kammerjungfern verwünſchen, mit ver⸗ geblicher Sehnſucht den Freunden nachblicken, mit denen ich ſo gern froh wäre, gähnen mit Grazie, und endlich mich freuen auf das Souper!— Ein ſchöner Unterhal⸗ tungsſtoff— nicht wahr, Vicomte? Man ſchläft wenig⸗ ſtens ausgezeichnet darauf und wird nicht durch phanta⸗ ſtiſche oder liebliche Bilder in Aufregung erhalten!“
Er beugte ſich und ſuchte die lang herabſchwebende Ranke einer Paſſionsblume in das dichte Netz der übrigen zurückzuſchlingen. Seine Hand bebte dabei.„Gräfin,“ flüſterte er,„Sie ſind grauſam! Sie wiſſen wohl, aber Sie wollen es nicht wiſſen, daß ich niemand ſehe außer Ihnen, daß niemand einen Lohn für mich hat als Sie! — Sie ſind ſchön und fern wie die Sterne am Himmel!“
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