Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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Land und Leute. 305

nung weiter gegangen und Vial nicht nur Herr der Si⸗ tuation geblieben ſein, ſondern auch wirklich die Fäden in ſeine Hand bekommen haben, an denen er die Menſchen in ſeiner Umgebung ſich bewegen zu laſſen gedachte. Aber damit war es nichts mehr, ja, es war niemals auch nur ähnlich geweſen, und der Offizier war in den Wochen, welche er jetzt mit Ausnahme einer kurzen Abweſenheit unausgeſetzt in dem Schloſſe verlebt hatte, nach und nach in eine Lage gekommen und in Verhältniſſe gedrängt wor⸗ den, deren Mißlichkeit er ſelber nicht verſtand, von denen General Renaud ſich nichts träumen ließ.

Gräfin Hebe war über das Spiel, welches der junge Franzoſe gegen ſie verſuchte, nicht einen Augenblick im Unklaren geweſen und auf das allerbereitwilligſte darauf eingegangen. Ein ſolches Treiben war es, das dieſer wunderbaren Natur am beſten gefiel; ſie fand darin, wie ſie wohl gelegentlich einmal einem Vertrauten bekannte, eine Art Vergütung für die Langeweile ihres ſonſtigen Lebens. Sie nahm ſeine Huldigungen ſo freundlich wie möglich auf und zeigte ſich durch dieſelben bald betrübt, bald beglückt; ſie ſah nur ſeine feurigen oder ſchmachten⸗ den Blicke und ſchien niemals zu bemerken, wenn der Anbeter einmal aus ſeiner Rolle fiel. Sie beobachtete vor allem aber mit dem boshafteſten Entzücken, daß das Spiel zuweilen Wahrheit wurde, daß der Offizier hin und wider dem Zauber ihrer Perſönlichkeit unwillkürlich und auf eine Weiſe unterlag, wie es für der Gräfin Zwecke nicht beſſer, für die des Franzoſen und ſeines Chefs

nicht übler ſein konnte. Und noch boshafter wurde ihre Hoefer, Fremdherrſchaft. I. 20