—
3
304 Zehntes Kapitel.
dörfer ſchienen ruhig, von Karſten Herbart's That war nicht mehr die Rede und der Mann verſchollen. Von neuen Prophezeiungen des Schäfers hörte man nichts. Es wurde ringsum ſtiller von Tag zu Tag.
Die Veränderung war ſehr groß, ſie war ſo groß, daß jemand, der die früheren und jetzigen Zuſtände wirk⸗ lich gekannt und mit einander verglichen hätte und ein wenig mißtrauiſch geweſen wäre, an der Wahrheit deſſen, was jetzt vor Augen war, zu zweifeln berechtigt geweſen ſein dürfte. Bei den Franzoſen gab es jedoch ſolche Miß⸗ trauiſche kaum, und Renaud ſelbſt fand alles ganz natür⸗ lich. Niemand kannte ſo gut wie er die eiſernen Bande, die um das Land geſchlungen waren, niemand kannte wie er den furchtbaren Druck, zu dem er ſie angeſchraubt hielt. Ruhten die Schrauben doch ſo zu ſagen in ſeiner Hand allein.— Sie beugen und fügen ſich, dachte er; ſie mer⸗ ken's, daß uns weder zu widerſtehen noch zu entgehen iſt. Die heißen Köpfe ſind kühl und wach geworden!— Es war der alte Fall, was man wünſcht, das glaubt man, und dieſer Täuſchung entging ſelbſt der hochbefähigte, ein⸗ ſichtige General nicht.
Allein, wie der General ſich in dieſen Annahmen täuſchte, ſo irrte er auch großentheils in ſeinem Vertrauen auf die Zuverläſſigkeit von Vial's übrigen Beobachtungen, und auf die ihm erwünſchten perſönlichen Erfolge des ge⸗ wandten und liebenswürdigen Mannes. Ja, wäre der Offizier noch ſo geweſen, wie Renaud ihn kannte, wie auch wir ihn kennen lernten, wie er ſelbſt ſich beurtheilen zu dürfen glaubte, ſo möchte alles nach Wunſch und Berech⸗


