Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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Neuntes Kapitel.

nahm ſie, ſo leiſe ſie auch war, denn er ſprach ſanft und faſt innig:„Sie ſind hart, wiederhole ich! War ich denn frei? Der Dienſt mit ſeinen Geſchäften endet nie, und dann— Ihre Tante verſteht es, jemand auch wider ſei⸗ nen Willen feſtzuhalten und, was viel ſchlimmer iſt, ihn niemals aus ihren Augen zu laſſen.“

Stephanie wandte leicht den Kopf und ließ einen dunkeln Blick zu den Beiden hinübergleiten, welche vor dem Kamin ihre Partie ſo harmlos wie möglich abzuſpie— len ſchienen.„Ich haſſe ſie!“ ſagte ſie tief aus der Bruſt heraus.

„Ihre Tante? Sie träumen!“ meinte er gleichſam verwundernd und kopfſchüttelnd.

Sie warf ihm einen finſtern Blick zu.„Nein, ich haſſe ſie!“ murmelte ſie dann.„Sie hat für uns alle nichts als Spott und Hochmuth und herrſcht von ihrem Seſſel aus auf das unerträglichſte.— Auch Sie— neh— men Sie ſich in Acht! Sie ſpielt mit Ihnen und benutzt Sie auf die eine Weiſe, wie uns Uebrigen auf eine andere.“

Er ſchüttelte den Kopf.„Ihr Kopf iſt zu jung und Ihr Herz zu reich und ſchön für ſolche düſtere Vorſtellun⸗ gen und Gefühle,“ flüſterte er innig.„Ihr Reich iſt das

der Liebe, und Sie ſind die Herrin alles Glücks und aller Gnade. Theilen Sie niemals aus— Stephanie?“ ſetzte er ſo leiſe hinzu, daß das Wort kaum ihr Ohr traf, wie nahe ſeine Lippen demſelben auch waren.

Sie erwiderte nichts, ihre Wangen waren nur noch ein wenig geröthet, und der Blick, der aus den flüchtig