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276 Neuntes Kapitel.
das Fenſter zu ging. Es war ſelbſt in dieſer Bewegung des jungen Mädchens etwas ſo Kaltes und Hohes, etwas ſo Nachläſſiges und doch auch wieder ſo Königliches, faſt als ſähe ſie ſich im Gemach ganz allein und hätte keinen Blick und keinen Gedanken für die Anderen.
Vial ſah zu ſeiner Nachbarin zurück— die Augen umſpannen ihn wie mit goldenen Strahlen, das Lächeln leuchtete ſo ſpöttiſch, ſo herausfordernd, ſo— verheißend? — und er antwortete leiſe und raſch:„Laſſen Sie mich noch leben, Gräfin! Die Inſel der Seligen hat keine Men⸗ ſchen, glaub' ich, ſondern nur— Monumente.“
„Ketzer!“ ſagte ſie mit leichtem Kopfſchütteln.— „Bitte, Vicomte, ſchieben Sie die Brände dort ein wenig
zuſammen, ſie flammen nur und wärmen nicht.“— Und als er ſich gehorſam verbeugte und in dem ſchmalen Raume ihr ganz nahe war, fügte ſie flüſternd hinzu— es war
wirklich wie das Lispeln des Frühlingswindes im jungen Laube, ſo weich waren dieſe Töne, und ſo ſanft und warm ſtreifte ihr Hauch ſeine Wange—:„Nun wohl, Louis! Bringen Sie doch Leben in dieſen Stein, ſchöner Pygma⸗ lion! Er ſehnt ſich danach.“
Vetter Chriſtian hatte die Steine geſondert und ſchob das Tiſchchen heran. Vial richtete ſich auf, ſein Geſicht glühte, ſeine Augen begegneten flammend denen der Grä⸗ fin. Dann wandte er ſich mit leichter Verbeugung ab und ins Gemach.—
Stephanie hatte die herabgelaſſenen Vorhänge des Fenſters zurückgeſchlagen und war in die Niſche getreten,
wo ſie, nachläſſig in der Ecke lehnend, ruhig in die dunkle,
gleich im!
hina


