Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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274 Neuntes Kapitel.

Natur gegenüber gemacht zu haben glaubte, ließ ſich heute keine Spur bemerken.—

Er war ihr heut überhaupt noch kaum nahe gekom⸗ men. Anfangs hatten ihn ſeine Depeſchen an Renaud länger aufgehalten, als er gerechnet, und da er endlich den uns bekannten kleinen, rothen Salon betrat, ſah er ſich zu jener angedeuteten, peinlichen Unterhaltung mit dem alten Grafen gezwungen und wurde, nachdem der⸗ ſelbe ſich zurückgezogen, bald vom Vetter, bald von Grä⸗ fin Hebe in Geſpräche verwickelt, die ihn Stephanien kaum begrüßen ließen. Es war dabei in Hebe's Weſen und Weiſe, in dem Klang ihrer Stimme und dem Zlick ihrer Augen etwas, das den jungen Mann bisher noch nicht ähnlich wie heute Abend berührt hatte. Bei ſeiner frühe⸗ ren Anweſenheit hatte ſie ihn nur ein paarmal in eine flüchtige Unterhaltung gezogen, ſeine Aufmerkſamkeit we⸗ nig in Anſpruch genommen. Was ließ ſie denn heute nun ſo anhaltend und verlockend ſich mit ihm beſchäftigen, ihm ihre ſtrahlendſten Blicke, den pikanteſten Reiz ihrer Einfälle und Plaudereien zuwenden? Nur der Einfall ſelbſt und die Luſt am Plaudern? Die Langeweile oder weil der junge Vicomte heute der Einzige war, der ihr eine Unterhaltung bot, wie ſie dieſelbe nun einmal wünſchte?

Das alles zog durch ſeinen Kopf, denn wir wiſſen, daß er die Dame nicht gleichgültig anſah, vielmehr ſie einer ernſtlichen Beobachtung unterziehen zu müſſen glaubte. Allein ſein Kopf behielt ihr gegenüber, in ſolcher Nähe, nur leider ſeine Herrſchaft nicht. Der Zauber, der von

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