Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
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die ſchöne Gräfin nicht bloß des Kokettirens wegen koket⸗ tirte, ſondern bei Gelegenheit auch eine ſeltſame Theil⸗ nahme an der ernſteſten Unterhaltung und ein wunder⸗ bares Intereſſe für Dinge zeigen konnte, die ihr hät⸗ ten durchaus fern liegen ſollen. Er hatte ſie geſehen an jenem Abend, als General Renaud ſo offen über den Zuſtand der Armee und über die Stimmung in Deutſch⸗ land ſprach. Wie gebrechlich ſie ſein mochte, ſie war vor allem doch nicht nur eine elezante, ſondern auch eine feine Frau, die an Leuten, wie die Dragoner, in Wirklichkeit faſt unmöglich Geſchmack finden konnte. Und er wußte endlich, daß die Beiden mit dem Grafen Eberhard auf Dreiheiligen in ſteter Verbindung waren, daß ſie dem Grafen Eugen nahe ſtanden— zwei Männern, über deren Geſinnungen man im Lager der Franzoſen neuerdings zweifelhaft zu werden begann.

Endlich, und das erſchien dem jungen, lebhaften Manne faſt als das Unerträglichſte,— endlich, Gräfin Stephanie hatte ſich ihm niemals kälter und gleichgültiger, niemals unzugänglicher gezeigt, als heute, trotzdem, daß er ſie von den rohen Burſchen befreit und obgleich ſie hatte erfahren müſſen, daß er direct für die ihr wider⸗ fahrene Beleidigung Rechenſchaft verlangt. Sein ſcharfer Blick hatte nicht nur den Lauſcher bemerkt, ſondern in demſelben auch eine kecke Kammerjungfer entdeckt, die neu— gierig das Geſpräch mit den Offizieren der Dragoner von jener Hinterthür aus vernommen haben mußte. Aber deſſen ungeachtet hielt ſich die Gräfin ferner und fremder,

als jemals ſonſt, und von den Fortſchritten, die er dieſer Hoefer, Fremdherrſchaft. I. 18