42 Zweites Kapitel.
zu thun haben, unſere halb vernichtete und demoraliſirte Armee wieder ſo weit zu bringen, daß wir den neuen Kampf in Deutſchland nicht von vorn herein verloren geben müſſen.— Sehen Sie, Gräfin,“ ſetzte er abbre⸗ chend hinzu und ſtrich mit der Hand über die Stirn, „wohin ich mich in Ihrer Nähe fortreißen laſſe! Allein ich weiß ja, daß Sie, anders als die meiſten Damen, auch ein Auge auf die Staats-Actionen werfen und Sinn für die großen Ereigniſſe unſerer Zeit haben; und andererſeits erkennen Sie daraus, wie uns zu Muth iſt, die wir Frankreichs Größe und Ruhm lieben.“
Gräfin Hebe hatte den Mittheilungen des Generals mit ungewöhnlicher Aufmerkſamkeit zugehört, ja, ſich wäh⸗ rend derſelben nicht einmal geregt, und machte auch nach ſeinen letzten Worten keine Miene, eine Erwiderung laut werden zu laſſen. Ihr bisher unruhiges, ſchönes Auge haftete auf ihm jetzt mit einem ſchier nachdenklichen Blick, und als ſich darin eine Aenderung zeigte, war es wie eine Art von Verdruß über die Störung ihres Gedanken⸗ ganges, welche durch das wiederholte Räuspern ihres Vaters hervorgerufen wurde.
Der Graf, deſſen runde, ſcharf blaue Augen bei den Worten des Franzoſen allmälig noch ein wenig weiter hervorgetreten waren, als gewöhnlich, und der ein paar⸗ mal nur mit ſichtbarer Mühe eine Unterbrechung zurück⸗ gehalten hatte, ſchüttelte jetzt majeſtätiſch den großen Kopf, ſo daß die Locken der blonden Perrücke in eine zitternde Bewegung geriethen, und ſagte, nachdem er ſeine Stimme möglichſt geklärt:„Mein Herr General, Sie ſind ein


