Ein Salon. 41
goldene Brille in die Taſche ſchiebend, vom Theetiſch zum Kamin zurückkehrte und ſeine frühere gedrückte Stimmung verloren zu haben ſchien.
„Alle meine Correſpondenten ſind voll von Bewun⸗ derung über die unſterblichen Thaten unſeres erhabenen Kaiſers,“ ſprach er.„Dieſer Zug nach Rußland iſt, wie die Menſchheit ſeit Alexander's Marſche nach Indien nie etwas Aehnliches geſehen. Haben Sie nähere Nachrichten, Herr General?“ 5
Das männlich ſchöne, offene Geſicht des Angeredeten zeigte ſtatt des bisherigen heiteren, ja unbekümmerten Ausdrucks momentan einen faſt finſteren Ernſt.
„Die Armee beſteht häufig Gefechte, ſiegreich natürlich, aber ohne Bedeutung,“ erwiderte er.„Wir erwarten demnächſt die Nachricht vom Einmarſch in Moskau. Aber,“ redete er dann noch gedämpfter weiter,„hier unter uns Dreien, die wir treue Anhänger Seiner Majeſtät ſind und einander nicht mißverſtehen, darf ich es nicht verheh⸗ len, daß ich über die bisherigen Erfolge unſerer Waffen und über dieſen ganzen Krieg anders denke, als die En⸗ thuſiaſten von Frankreich und Deutſchland. Die Erfolge entſprechen nicht dem Aufwande von Mitteln, und dieſe, mag der Aufwand noch ſo ungeheuer ſein, genügen in den Augen unſerer Beſten und Bravſten dennoch nicht, um unſeren Zweck zu erreichen und Rußland niederzu⸗ werfen. Des Herzogs von Vicenza Träumereien offen⸗
baren ſich täglich mehr als— Träumereien eines auf
das unglaublichſte dupirten Menſchen. Und günſtigſten Falls werden wir im nächſten Frühjahr alle Hände voll
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