Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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Herr

2 2 Ein Salon. 39

Schwager ſich eines Tages nicht nur mediatiſirt, ſondern auch obendrein dem Hauſe von D. unterworſen fand, vor Schreck darüber ſtarb und alle Vermögens⸗Verhältniſſe in der größtmöglichen Zerrüttung hinterließ. Mein lie⸗ ber General,“ unterbrach ſich die unbarmherzige Spreche⸗ rin,„ich kann über dies alles nicht trauern, geſchweige denn weinen. Meinen Schwager habe ich nie für etwas Anderes als einen widerwärtigen Menſchen halten können, und meine Schweſter hat ſich mit ihrem ſtolzen Blute ſeither wie eine Thörin benommen. Sie will weder die Unterſtützung der Ihrigen annehmen, noch von ihren früheren Anſprüchen laſſen oder aus ihrer alten Stellung ſcheiden. Statt zu uns zu kommen und behaglich und ganz nach ihrem Geſchmack zu leben— mein Herr Papa hat auch ſeine guten Seiten, mein lieber General, und bot ihr ein Gut an, wo ſie Hof halten konnte, ſo viel ſie wollte,— hungert und darbt ſie in D., als ebenbürtige Freundin der herzoglichen Familie, und weicht nicht vom Fleck, weil ſie am Ende doch noch begreift, daß eine auch noch ſo kurze Abweſenheit ſie den bisher behaupteten Platz verlieren laſſen müßte. Da kommen unglaubliche Thor⸗ heiten vor, mein lieber General!“

Der Franzoſe lachte, denn nicht nur die Mittheilung ſelbſt, ſondern auch die Vortragsweiſe der Sprecherin, welche jener erſt alles Herbe nahm, wirkten unwiderſteh⸗ lich komiſch auf ihn.„Ihre Nichte iſt alſo zur Behaup⸗ tung jenes Platzes nicht ſo nöthig?“ fragte er endlich mit dem Blick zu der Gruppe am Sophatiſche hinüber.

Gräfin Hebe zuckte die Achſeln.„Was weiß ich!“