Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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38 Zweites Kapitel.

krank geworden ſein und konnte nicht; es gab ein ewiges Aufſchieben, bis ſie vor acht Tagen endlich eintraf, wo es dann natürlich zu ſpät war.“

„Und Ihre Frau Schweſter— iſt ſie krank, daß wir ſie nicht bei uns ſehen?“ fragte er.

Comteſſe Hebe lachte.„Meine Schweſter iſt gar nicht da,“ verſetzte ſie.„Die ſitzt drüben und hütet ihre Würde dem Hofe gegenüber, den ſie mit ihrer Nähe beehrt.“— Und da der General auf dieſe Worte hin ſie fragend an⸗ ſah, zuckte ſie leicht die ſchönen Schultern und redete ge⸗ dämpft weiter:„Mein lieber General, es iſt eigentlich unrecht, daß ich davon ſpreche,— die Geſellſchaft findet das wenigſtens. Ich aber kann nichts dafür, daß ich das Lächerliche an den Meinen ſo gut ſehe, wie an Anderen, und mich deſſelben erfreue. Und in dieſen Zuſtänden gibt es des Komiſchen und Lächerlichen ſo viel, daß ich von jeher nur bedauert habe, keine Begabung für der⸗ gleichen zu beſitzen— es ließe ſich ein Luſtſpiel daraus machen.

„Meine Schweſter wurde durch meine Eltern und durch ihr ſtolzes Blut, wie mein Herr Papa ſagt, die Gemahlin meines Schwagers, eines der älteſten Grafen des heiligen römiſchen Reichs,“ fuhr ſie fort.„Mathilde war 16 Jahre alt und ihr Gemahl 40, allein das ſtolze Blut half über dergleichen Kleinigkeiten fort, und meine Schweſter fühlte ſich in ihrer Stellung ſehr behaglich, war eine ſouveraine Frau comme il faut und verkehrte mit der regierenden Familie in D. wie mit ihres Gleichen. Das ging auch alles ganz ſchön, bis mein werther Herr