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Ein Salon. 33
Spitzen ſehen konnte, waren von der gleichen Tadelloſig⸗ keit wie die Büſte, das Wunderbarſte von allem jedoch blieb das Geſicht.
Sie war erſichtlich über die eigentliche Jugend ſchon hinaus und mochte die Dreißig erreicht haben, allein die Jahre hatten ihr, wenn ſie ſie auch ein wenig voller ge⸗ macht, nicht einen der Reize genommen, welche über dieſe wundervoll reinen und feinen Züge in verſchwenderiſcher Fülle gebreitet waren. Ein harmoniſcher gebildetes Ge⸗ ſicht ließ ſich nicht denken, aber es blieb nicht bei dieſer reinen und ſtillen Schönheit, ſondern aus den dunklen, glänzenden Augen, aus den ſcharfen, feinen Brauen, aus der klaren Stirn und dem friſchen, zierlich geſchnittenen kleinen Munde brach auch eine Flut von Leben und Geiſt hervor, durchblitzt von Munterkeit und Keckheit, durchflo⸗ gen zuweilen von einem Zuge von luſtiger Bosheit oder üppiger Koketterie. Kurz, es war das Geſicht einer Frau, die, fern von aller Noth und Sorge des Lebens, keine andere Stellung kannte, als die Erſte jedes Kreiſes zu ſein, dem ſie gelegentlich angehörte, und keine andere Macht gelten ließ, als die ihrer Schönheit und ihrer Laune; ein Geſicht, wie wir ſeines Gleichen jetzt nur ſel⸗ ten noch anderwärts als auf einem der Bilder finden, welche uns irgend eine anmuthige und ausgelaſſene Schön⸗ heit des vergangenen Jahrhunderts erhalten haben. Und wie die Dame nun einmal erſchien, wie ſie blickte und den Hals, die Schultern, die Arme und Hände bewegte, mußte man einräumen, daß ſie mit Recht der prächtigen Tracht der entſchwundenen Zeit treu geblieben war. Die
Hoefer, Fremdherrſchaft. I. 3


