Teil eines Werkes 
1. Bd. (1863)
Entstehung
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32 Zweltes Kapitel.

erblickte, war ſchon lohnend und wunderbar genug. Sie trug ein prachtvolles Kleid von blau in blau brochirter Seide, deſſen durch Reifen aus einander gehaltener wei⸗ ter und faltenreicher Rock ſich rings um ſie her hoch auf⸗ bauſchte, ſo weit es vor den nicht hohen Lehnen ihres Stuhles irgend möglich war; und dies geſchah um ſo mehr, da ſie die Füße auf ein Bänkchen geſtellt und den einen, deſſen weißſeidener Schuh am unteren Rande ihrer Robe ein wenig ſichtbar wurde, augenſcheinlich über den anderen gelegt hatte. Von der neuen, knappen und kurz⸗ tailligen Mode der damaligen Zeit zeigte ſich an ihr über⸗ haupt keine Spur. Ein Schneppenleibchen ſchloß ſich an den weiten Rock und ließ aus einem Gewölk von dufti⸗ gen Spitzen, welche den tiefen Ausſchnitt umgaben, Bruſt, Schultern und Hals hervortreten, wie ſie nicht voller und veißer, weicher und ſchlanker gedacht werden konnten. Der Kleidung entſprechend, war das braune Haar aufgeſchlagen und ein wenig gepudert; hinter jedem Ohre ſank eine lange Locke weich und zierlich auf die weißen Schultern herab, Schmuck aber zeigte ſich außer den blitzen⸗ den Ohrgehängen gar nicht. Die Dame bedurfte deſſel⸗ ben jedoch auch weder zur Bezeichnung ihres Ranges und ihrer Stellung— ihre ganze Erſcheinung deutete darauf hin, daß ſie zu den Erſten im Lande gehöre und ihr Leben lang nur in einer Umgebung und man möchte ſagen Kleidung, wie ihre heutige, daheim geweſen— noch, wie man das barbariſcher Weiſe in der Geſellſchaft annimmt, zur Hervorhehung ihrer Reize. Hände und Arme, ſo weit man die letzteren vor den darüber hinfallenden reichen