22 Erſtes Kapitel.
kurz an, dem folgenden Jäger Flinte und Ranzen abzu⸗ nehmen und ein Zimmer für denſelben parat zu halten. Dann ging er auf's neue ſchweigend voran durch ein paar Gemächer, und erſt nachdem er im dritten— wie es ſchien, ſeinem Arbeits⸗Cabinte— Mütze und Reitpeitſche auf den Tiſch gelegt, wandte er ſich dem Anderen wieder mit den Worten zu:„Hier ſind wir ungeſtört. Nun wohlan alſo, wer ſind Sie und was bringen Sie? Daß Sie kein Jäger ſind, der eine Stelle ſucht, haben Sie mich freilich— wohl mit Abſicht— entdecken laſſen.“
„Ich hielt die Maske Ihnen gegenüber nicht mehr für nöthig, Herr Graf,“ verſetzte der Fremde mit artiger Offen⸗ heit;„eben ſo wenig vor dem alten Detlef Reuter, von dem mir Rettfeld als von der treueſten Seele mehrfach erzählte. Zum Zeugen bei meinen beſonderen Mitthei⸗ lungen wünſchte ich ihn deſſen ungeachtet nicht. Mit mei⸗ ner Legitimation wird es aber wunderlich ausſehen,“ fuhr er abbrechend fort. Papiere habe ich nicht und muß mich daher auf Nennung meines Namens und—“
„Laſſen Sie's gut ſein,“ fiel ihm der Graf in's Wort.„Rettfeld's Name und Bekanntſchaft iſt in mei⸗ nen Augen für Sie eine beſſere Legitimation als allerlei Papiere, Zeichen und Erkennungsworte, die am Ende auch von Unberufenen nachgemacht werden könnten. Leo Rettfeld verkehrt mit niemand, der nicht eben ſo entſchloſ⸗ ſen und entſchieden wie er ſelbſt.— Nehmen Sie Platz, greifen Sie zu und laſſen Sie uns auf den Freund an⸗ ſtoßen,“ redete er weiter, indem er aus der auf dem Tiſche ſtehenden Karaffe mit rothem Weine zwei Gläſer füllte


