20 1 Erſtes Kapitel.
dem kaum bezwungenen Grimm hervor, von dem die grollende Stimme des Alten noch immer Kunde gab, und während der Graf ungezwungen lachte, konnte ſelbſt der Jäger ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken.
Gleich darauf waren ſeine Züge jedoch wieder voll⸗ kommen ernſt und ſeine Augen überflogen mit aufmerk⸗ ſamem Blicke die Umgebung. Das Unterholz war wie⸗ der verſchwunden, der Wald erhob ſich rings in ſeiner vollen Majeſtät mit prachtvollen Stämmen, zwiſchen denen es jedoch nach vorn zu jetzt immer lichter und lichter wurde. Nach wenigen, ſchweigend zurückgelegten Schritten hatten ſie in der That das Ende erreicht und traten auf ein augen⸗ ſcheinlich reiches und fruchtbares, wenn jetzt auch abge⸗ erntetes Gelände hinaus, über welches hin man in gerin⸗ ger Entfernung die Gebäude eines weitläufigen Wirth⸗ ſchaftshofes und zahlreiche Dächer eines großen, hinter und neben demſelben angebauten Dorfes erblicken konnte. Ein Kirchthurm erhob ſich aus ihrer Mitte, und ſchon von hier aus ſah man's, daß faſt kein Dach ohne ein Neſt der in dieſen Gegenden zahlreich hauſenden Störche war.
Ueber das Geſicht des Jägers flog etwas wie ein trübes Lächeln.„Das erinnert mich an längſt vergan⸗ gene Zeiten,“ ſagte er.„Wo immer ich neuerdings ge⸗ weſen, es war überall, als hätten auch die Vögel keine Ruhe und keinen Frieden. So viel Neſter habe ich lange nicht mehr auf einer Stelle geſehen. Wollte Gott, ſie bezeichneten wirklich, was ſie nach dem alten, treuen Glauben bezeichnen ſollen— daß hier bei Ihnen noch
der ungeſtörte Friede daheim, Herr Graf!“


