6 Erſtes Kapitel.
die zwei erſten Finger der Rechten kreuzweiſe über die gleichen der linken Hand.
Durch das ſtumpfe Auge des Schäfers flog jetzt ein wirkliches, wenn auch nur flüchtiges Leuchten; im nächſten Momente redete er ſchon wieder mit dem alten, ſtarren Ausdrucke und in phlegmatiſchem Tone:„Das iſt denn was Anderes. Aber daß Er dem Leo begegnet, braucht Er hierorts nicht zu erzählen. Drüben in Dreiheiligen oder auch in Rhodenfelde, da mag es unter vier Augen wohl gehen.— Aber was ſchwatz' ich da?“ brach er ab. „Er kann ja Deutſch reden, merk' ich, da werd' ich Ihn vielleicht verſtehen und Ihm helfen können. Nach Drei⸗ heiligen will Er alſo?“
„Ja, oder nach Rhodenfelde,“ lautete die Antwort. „Wie Herr von Rettfeld mir die Herrſchaften beſchrieb, wird's einerlei ſein. Sie ſollen ja Beide ein gut deutſches Herz haben für einen armen Teufel, der ſich nun einmal mit dieſem fränkiſchen Gezücht nicht vertragen lernt und ſich nach ein paar ruhigen Tagen ſehnt, um ſeiner Pro⸗ feſſion nachzugehen. Herr von Rettfeld meinte, der Detlef Reuter werde ſchon etwas für mich finden.“
Der Schäfer ſchaute den Sprechenden ummer prüfen⸗ der an, bei dem ſelbſt ihm ſtets Mehreres auffallen mußte. Seine Bewegungen, ſeine Ausdrucksweiſe, ſeine ganze Er⸗ ſcheinung— es war nicht ſo, wie man es von einem ſchlichten Jägersmanne erwarten konnte. Er redete freilich im Dialekt, allein er dachte hörbar genug nicht in dem⸗ ſelben, ſondern überſetzte nur in ihn hinein. Hier zu Lande hätte auch der Gebildetſte wenn er einmal Platt⸗
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