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bleiche Graf ihre Plätze. Anfangs ſchnitt die Gräfin dem „Bauer“, welcher ihr die ſchönſten Zimmer des Hauſes weg⸗ geſchnappt hatte, entſetzlich ſaure Geſichter. Fette Leute ſind jedoch in der Regel gutmüthig und leicht verſöhnt; Vater J.... aber wußte zu leben und hatte ſchon mit gar vielerlei Leuten Umgang gepflogen. Er ſprach ſehr geläufig franzöſiſch und befliß ſich ſogar jener rückſichtsvollen Galan⸗ terie der Herren von der alten Schule. Die Entrüſtung legte ſich und man wurde bald gut Freund mit einander. Die dicke Gräfin hörte mit wachſendem Intereſſe den klugen alten Mann in der ſchwarzſeidenen Zipfelkappe von Land und Leu⸗ ten, von Sitten und Gebräuchen des Simmenthals erzählen. Insbeſondere aber wurde das kleine Elſeli ihr Liebling. El⸗ ſeli konnte zwar noch nicht wälſch wie der Großvater, auch nicht hochdeutſch, ſondern nur ſiebenthaliſch. Aber die Gräfin behauptete, dieß ſei die ſchönſte Sprache, welche ſie je ge— hört; ſo hätten vor ſieben⸗ oder achthundert Jahren die Schloßfräulein auf den Ritterburgen geſprochen; auch hätten dieſelben eben ſolche goldfarbene Zöpfe über den Rücken hän⸗ gen gehabt, wie das Elſeli.
Weniger mittheilſam war der bleiche Graf. Man ſah es an den tiefen dunkeln Augenhöhlen, daß, obgleich noch jung, er doch ſchon viel gelebt und geliebt. Er ſchien ſehr blaſirt; um ſeinen Mund ſpielte ein bitterer, ſpöttiſcher Zug, und wenn er ſprach, war es meiſt ein beißender Sarkasmus. Am gewöhnlichen Zeitvertreib des Weißenburger Kurlebens fand er wenig Gefallen. Weder mochte er mit den ſchwind⸗ ſüchtigen Wirths- und Müllersſöhnen kegeln oder binockeln, noch mit den Basler Bankiers oder den ſalbungsvollen waadt⸗ ländiſchen Paſtoren auf und ab wandelnd, an einem langen ſchläfrigen Geſpräche haſpeln; noch mochte er mit den ma⸗ gern Pfarrerstöchtern zwiſchen Steinen und Dornen am Berg herum klettern und Alpenblumen ſuchen. Am liebſten hätte er's jenem pfiffigen Bauersmann aus dem Emmenthal nach⸗


