Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1852)
Entstehung
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man noch niemals erlebt, daß ſo ein Eingetheilter einer gan⸗ zen Gemeinde ungeſtraft eine Naſe drehen dürfe. Was einer noch davon hätte, Bürger zu ſein, wenn es jedem hinter dem Zaun gefundenen Schlingel erlaubt wäre, mir nichts dir nichts Hochzeit zu machen und ein Dutzend Bälge in die Welt zu ſetzen? Die müßten, wenn der Vater zum Lump gerathen, dann doch von der Gemeinde gefüttert werden, und die Bürger⸗ nützung würde ja ſchon ohnedieß immer magerer. Aber da werde noch zu helfen ſein, und ſie wollten es einmal mit dem Keßlerpack probiren, wer zuletzt noch Meiſter bleibe.

Einmal hatte Fideli einen ſtrengen Tag gehabt. Von früh, da der Morgen kaum zu dämmern begonnen, war er an der Senſe geſtanden, bis ſpät, da der Abend graute; aber einen ſchönen Taglohn hatte er ſich dabei verdient, nebſt Speis und Trank noch einen ganzen halben Gulden. Warum ließ ſich heute Abend Vronis Stimme nicht hören? warum tönte ihr Lied nicht wie ſonſt vom Schachen her? Noch lauter als ſonſt ließ Fideli ſeinen Jauchzer erſchallen, aber keine Antwort. Vroni, wo biſt du? Alles ſtill, die Schachenhütte leer, das Feuer auf dem Herd erloſchen. In der Nähe, am Ufergeſträuch weidete noch ein Bube ſeine Geißen; von ihm konnte der Fideli endlich in Erfahrung bringen, ungefähr um die Mittagszeit ſei der Polizeier gekommen und habe Vroni zur Gemeinde hinaus⸗ geboten, und als ſie ſich geſträubt, habe er Gewalt angewen⸗ det. Dem Fideli ſtieg es innerlich heiß in den Kopf, äußerlich lief es ihm kalt wie Schneewaſſer den Rücken hinunter.

Es war dunkle Nacht. Außerhalb der Gemarkung des Dorfes am Straßengraben ſaß Vroni und weinte bitterlich. Wie ein angeſchoſſener Hirſch kam Fideli des Weges daher und ſeine Augen durchforſchten wie zwei glühende Katzenaugen ſpähend die Finſterniß.Biſt du's, Vroni? Sie ſolle ſich aufmachen, ſie wollten heim.Sie dürfe nicht, ſchluchzte Vroni,man habe ihr hinausgeboten wie einer ſchlechten Dirne.Ob ſie nicht ſein ehrlich Weib ſei? ob ſie nicht