Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

203

grünen Wald. Und wenn dann Fideli zur friſchen Geismilch die Erdäpfelröſte gegeſſen, die ihm Vroni gekocht, ſo mußte er hinaus und ſchauen, was ſie alles geſchafft und ausgerichtet. Da ſchauten ſchon dunkelgrün wie Schnittlauch die Erdäpfel zum Boden heraus, die Vroni gepflanzt, und bereits ſtrebten die Bohnen ſich um die Stangen zu winden, welche ſie ſelbſt mit ſaurer Mühe im Walde gehauen. Vor der Hütte hatte ſich Vroni ein Gärtchen angelegt, wo ſie allerlei Samen von Blumengewächs geſäet, den ſie vom Hühnerhubel mitgebracht, bunt prangenden Mohn, Levkoyen und duftende Reſede. Sollte ein ſchlimmer Froſt oder ein Hagelwetter all der Herrlichkeit ein traurig Ende machen? Das hätte ja Vroni ſchier das Herz abgedrückt. Darum wollte ſie auch mitziehen, wenn der Bitt⸗ gang mit Kreuz und Fahnen zog durch Flur und Feld. Sie wollte zum Himmel flehen um Schutz für all die Sachen, die ſie im Schweiße ihres Angeſichts gepflanzt und gepflegt. Der Fideli ſollte auch mitgehen, ihr zu lieb.

Laut und feierlich ruft der Glocken Stimme über's Land weg. Von nah und fern ſtrömt Alt und Jung herbei zur Pro⸗ zeſſion. Beim Kirchlein ordnet ſich der Zug, zuerſt die Buben, die kleinſten voran, dann die ledigen Knaben, ſtolz und keck, hinter dieſen die verheiratheten Männer in bedächtigem Schritt. Dann folgt der Pfarrherr im Schmucke des Kirchenornats; hinter ihm daher trippelnd die ganz kleinen Mädchen, darauf die erwachſenen Jungfrauen in ihrem ſchönſten Staat, zuletzt die ehrbaren Frauen, die jungen voran, und zum Schluſſe die ſteinalten Mütterlein mit den Glockentſchöppen und den langen braunen Roſenkränzen.

Was ſoll unter ihnen das Geziſch und Gewiſper und bei den Männern das lauter und lauter werdende Murren? Abſeits gingen die Frauen, als Vroni ſich unter ſie einſtellen wollte, und wo ſie hinging, da wichen ſie von ihr und ziſchelten und wiſperten. Und da Fideli zu den Mannen ſtand, fuhr ihn einer an:Was er wolle unter ihnen? Er ſolle zu den